Kurzgeschichtenwettbewerb – Schreibwettbewerb – Autorenwettbewerb
Im Jahr 2009 jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum zwanzigsten Mal. Angesichts dieses Jubiläums haben wir einen Schreibwettbwerb ausgeschrieben unter dem Motto
Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten
20 Jahre Fall der Berliner Mauer
Ziel ist es, die besten Beiträge in einem Buch zu veröffentlichen. Und sofern ein Buch zustande kommt, werden im Herbst 2009 auf verschiedenen Veranstaltungen zum Gedenken des Mauerfalls Lesungen stattfinden.




Grüezi aus der Schweiz,
Peter Gross
Rheinweg 9
CH-8264 Eschenz
Vielleicht wäre meine Geschichte auch etwas für ihr Buch 20 Jahre Fall der Mauer:
Vorwort und Biographie:
„Mich kann man nicht beschreiben, mich müssen Sie erleben…“
Ich bin im Jahre 1949 im Sternzeichen Widder geboren und in Zürich
aufgewachsen.
Bereits als Zehnjähriger verspürte ich den Drang, die Welt zu erobern.
Ich riss mehrere Male von zu Hause aus und
überlegte mir: Wie kann ich fast ohne Geld die Welt bereisen?
Was soll ich denn werden?
Koch oder Bäcker wäre auch nicht schlecht dachte ich. Aber als Bäcker
muss ich früh aufstehen. Nein, dass ist nichts für mich, und so entschloss
ich mich bereits mit 14 Jahren Koch zu werden.
In der Nähe von Basel fand ich eine Kochlehrstelle und
mit 17 1/2 Jahren konnte ich mein Kochdiplom in Empfang nehmen.
Nach der Lehre arbeitete ich als Koch in diversen Saisonbetrieben
und dann meldete ich mich 1969 als Privatkoch auf der Schweizer
Motoryacht PAT in Monte Carlo.
Auch das Eignerehepaar J + H. Müller waren aus Zürich.
Es folgte eine erlebnisreiche Saison auf dem Mittelmeer, wobei wir
mit 8 Gästen die Inseln Elba, Sardinien und Korsika umrundeten.
Ende Oktober reiste ich wieder in die Schweiz, nach Zermatt, am
Fusse des Matterhorn.
In der Schule hatte man bei uns in der Schweiz gar nichts über den
Ostblock erfahren. Das wunderte mich sehr.
Bereits 1968 verfolgte ich die Meldungen über den Aufstand in Prag.
Ich sammelte Artikel über Fluchtgeschichten des Schweizer
Fluchtunternehmers Hans Lenzlinger. Durch diese Artikel erfuhr man
warum die Menschen damals geflüchtet sind. Lenzlinger aber, wurde
in den siebzigern Jahren von einem unbekannten Täter erschossen.
Dieser Mord ist bis heute nicht aufgeklärt worden.
War es die Stasi?
Was steckt denn hinter den Worten „STAATSSICHERHEITSDIENST“,
„DER EISERNE VORHANG“ und „DER KALTE KRIEG“ fragte ich mich?
In Presseberichten tauchten immer wieder diese Worte auf
und so war ich neugierig, wo dieser kalte Krieg stattfindet,
ich dachte, da musst du auch mal hin.
1.Kapitel
Eines Tages ging ich in ein Reisebüro und verlangte ein Ticket
Brig (Wallis) – Stalingrad 1. Klasse hin und zurück…
Die Dame guckte nicht schlecht und nahm meinen Auftrag entgegen.
Fast vier Monate dauerte es bis alle Visa erledigt wurden.
Die russische Botschaft erkundigte sich auf dem Reisebüro, was ich denn dort wolle.
Mir selber war Stalingrad, seit dem 2.Weltkrieg heisst es Wolgograd,
aus dem Film „Die Schlacht um Stalingrad“ und den Konsalikromanen bekannt.
Die Reise plante ich für das Saisonende im Frühjahr 1970; wie lange war egal.
Bei etwas düsterem Wetter bestieg ich in Zürich den Nachtzug „Wienerwalzer“.
Nach jeweils einem Tag Aufenthalt in Wien und Budapest gelangte ich nach Bukarest,
wo ich zwei Tage das Bett hüten musste, weil ich in der Schweiz noch ein Pfeffersteak,
welches offensichtlich zu scharf gewesen war, gegessen hatte und mir den Hals verbrannte.
Da ich privat bei einem Ärztepaar wohnte, wurde ich gehegt und gepflegt.
Dank Penicillin und einer Schröpfung, die ich mit Zigaretten und Dollars bezahlen musste,
konnte ich nach zwei Tagen am späten Abend die Reise Richtung Russland
mit einem Tag Verspätung fortsetzen.
Als ich auf dem Bahnsteig ankam suchte ich den Schlafwagen mit der richtigen
Nummer welcher ganz an der Spitze des Zuges war.
Ich stellte fest, dass alle Türen, ausser der letzten, am Schluss des Zuges, bereits geschlossen waren.
Plötzlich gab es einen Ruck durch den Zug und langsam fuhr der Moskauexpress den Bahnsteig entlang.
Winkend deutete ich der Schaffnerin dass ich noch einsteigen möchte.
Der Zug rollte langsam an mir vorbei, dann warf ich meine Reisetasche in die geöffnete Türe und sprang auf den fahrenden Zug.
Die Schaffnerin war sehr behilflich und streckte mir Ihre Hand entgegen, sie lachte.
Ja, das wird eine aufregende Reise, dachte ich. Ich lief durch den Zug, bezog mein Abteil und schlief erschöpft ein. Schliesslich war ich noch nicht ganz gesund.
Irgendwann am frühen Morgen klopfte die Zoll- und Passkontrolle an die Türe, denn der Grenzort Galati war schon erreicht.
In gebrochenem Deutsch fragte mich der Beamte nach den Papieren und warum ich einen Tag zu spät komme?
Ich erklärte ihm den Grund und nun wusste ich, dass sie mich bereits erwarteten.
Aha dachte ich, hier wird man überwacht, aber gerade das war das Spannende an der Reise.
Den ganzen Inhalt meiner Reisetasche musste ich auf das Bett leeren und es wurde alles gründlich durchsucht, ob ich ja nichts Verbotenes mit in das Land einführe, etwa Devisen oder Zeitschriften.
Mein schöner breiter Gürtel mit etwa 50 Imitationsrevolverpatronen wurde zum
Durchleuchten mitgenommen und nach cirka 30 Minuten wieder gebracht.
Die Grenzbeamten verabschiedeten sich und der Moskauexpress setzte die Fahrt Richtung Kishinew im Moldaugebiet, dem heutige Moldawien, fort.
Dort nächtigte ich drei Tage. Mir gefiel die tiefschwarze Erde so gut, auf der auch Wein angepflanzt wurde.
In einer ausgedienten Kirche war ein Weinlokal für Weinproben eingerichtet und ich lud den Reiseleiter zur Weinprobe ein, die 5 Rubel kostete.
Die Weine waren schwer und süss. Sie schmeckten zum Teil nach Sherry . Aber es war ein interessanter Abend ohne eine politische Diskussion.
Am nächsten Abend ortete ich ein Restaurant in der Nähe des Hotels.
Es war von Neonröhren hell erleuchtet. Gerade kamen Gäste aus dem Lokal und der Türsteher liess mich durch. Er schloss die Tür wieder ab und geleitete mich an einen freien Tisch.
Ein Kapelle spielte zum Tanz auf. In der einen Ecke wurde ein Fest oder Geburtstag gefeiert und gegenüber fand eine kleine Parteifeier statt. Alle trugen ihre Orden.
Da standen zwei oder drei Kellnerinnen um meinen Tisch und ich konnte doch kein Wort russisch, aber die kyrillische Schrift konnte ich ein wenig lesen und so bastelte ich mir ein Abendessen zusammen.
Nach einer halben Stunde setzten sich zwei Damen und ein Herr an den Tisch.
Er rechts, eine Frau links und eine mir gegenüber und ich dachte, das ist bestimmt seine Frau.
Sie bestellten ihr Essen, Wein, Wodka und Wasser. Plötzlich fragte mich die Frau, die links neben mir sass, etwas auf russisch und ich zuckte die Schulter und sagte „Ich Helvetica, Schwizarski“ und lachte dabei.
Sie überlegte und fragte mich in gebrochenem französisch, woher ich denn komme und was ich mache. Meinen Erklärungen auf französisch konnte sie sehr gut folgen und ich dachte sie sei ohne Begleitung und lud sie zum Tanz ein.
Wieder verging ein Tanz und sie klärte mich auf, dass sie die Ehefrau des Herrn sei der zu meiner Rechten sass.
Oha, jetzt musst du vorsichtig sein, dachte ich und lud danach die Frau von gegenüber am Tisch zum Tanze ein. Ihr Name war Natascha.
Die Tischnachbarin erklärte mir, Natascha sei bei ihnen zu Besuch und komme aus Moskau.
Sie könne aber nur russisch.
Es wurde ein netter Abend und der Mann bezahlte am Schluss auch mein Abendessen und die Getränke.
Die Bekannte von Natascha erwähnte, wenn ich aus Wolgograd zurück in Moskau sei, sollte ich mich bei ihr telefonisch melden und schrieb mir ihre Telefonnummer auf.
Sie verabschiedeten sich und ich suchte das Hotel „Leningradskaya“ auf.
Nach zwei Tagen bestieg ich wieder den Moskauexpress. Diesmal war ich aber pünktlich, doch der Zug hatte fast eine halbe Stunde Verspätung.
Die Fahrt führte mich über Kiew, mit einer Nacht Aufenthalt, nach Moskau.
Ich logierte in einem grossen Hotel mit hohen Türmen. Das Zimmer befand sich in der 12. Etage, von dort hatte ich einen herrlichen Blick über Moskau bis zum Fernsehturm, obwohl es sehr bewölkt war.
Am nächsten Tag war immer noch finsteres Wetter und ein Taxi brachte mich am Abend zum Bahnhof. Der Zug nach Wolgograd stand schon bereit und ich musste diesmal ein Schlafabteil mit drei weiteren Reisenden teilen.
Die mehrstündige Fahrt verlief locker und bereits um sechs Uhr morgens wurde mir auch Speck, Brot und Wodka angeboten. Das konnte ja heiter werden…
Langsam fuhr der Zug in Wolgograd ein.
Aha, sie wussten genau, wo ich aus dem Zug steige, und ich dachte wieder an die Überwachung, vor der mich einige Freunde in der Schweiz gewarnt hatten.
Denn auf gleicher Höhe meines Abteiles, stand bereits eine schwarze Limousine bereit. Es war ein Wolga, ein russisches Fabrikat, der mich zum Hotel führte.
Die Leute standen Spalier, aber nicht wegen mir, sondern es war der 1.Mai 1970.
Die 1. Mai – Demo schaute ich bequem von meinem Zimmer aus an. Das Hotel befand sich neben dem Ehrendenkmal des 2. Weltkrieges, vor dem die Kinder der Jugendorganisation die Ehrenwache hielten.
So nach einer Stunde ging ich auf die Strasse, wo ich noch einige Bilder knipste.
Die Reiseleiterin suchte mich bereits, denn sie erklärte auf deutsch, dass sie mir die Stadt mit dem Taxi zeigen wolle. Sie hätte eigentlich einen älteren Herrn mit weissen Haaren, so um die fünfzig, erwartet.
Ich klärte sie auf, dass ich ein Koch war und ich sah, wie unglaublich erstaunt sie war.
In Wolgograd wurde mir bewusst, wie schlimm der Krieg gewesen ist. Ich sah Original – Filmdokumente aus dem zweiten Weltkrieg, die damals in Westeuropa noch völlig unbekannt waren.
Nach zwei Nächten erfolgte die Rückreise nach Moskau, mit viel Wodka ,Speck, Brot und lustigen russischen Reisegästen.
Ich wurde wieder sehr diskret am Zug abgeholt und bezog wieder ein Zimmer im gleichen Hotel, in einer oberen Etage.
In Moskau lief ich kreuz und quer durch die Stadt und sah viel Interessantes an Kunst und Kultur. Vom Fernsehturm aus genoss man eine fabelhafte Rundsicht.Fotografieren war streng verboten!!
In der grossen Allunionsausstellung „BDHX“ beim Fernsehturm konnte man die neuesten
Errungenschaften der Sowjetunion bestaunen. Die Raketen und die Raumfahrt -
Abteilung waren für mich sehr beeindruckend. Jetzt war ich müde und fuhr mit der Metro in die Nähe des Hotels.
Mich beeindruckten die Metrobahnhöfe mit den steilen und langen Rolltreppen sehr.
Gut dass ich die kyrillischen Buchstaben lesen konnte, sonst hätte ich den Heimweg kaum gefunden. Alles lief übrigens ohne Bewacher .
Nun versuchte ich vom Hotelzimmer aus meine Reisebekanntschaft aus Kishjnew anzurufen. Eine tiefe weibliche Stimme begrüsste mich, aber ich habe sie nicht verstanden und sie mich auch nicht, sie sprach nur russisch.
Was soll ich machen, überlegte ich, und plötzlich kam mir die Idee mit dem Reisebüro im Hotel. Der Lift trug mich in einer schnellen Fahrt nach unten zur Reception, an der ich die Reiseleiterin, die deutsch sprechen konnte, aufsuchte.
Als sie meine Erklärung hörte, lachte sie, aber sie telefonierte für mich und am Abend kam Natascha mit dem Wörterbuch Russisch-Deutsch zum Rendezvous in das Hotel und ich lud sie im Gorkipark an der Moskwa zum Essen ein. Vor meiner Abfahrt zeigte sie mir noch einige Sehenswürdigkeiten.
Diese Bekanntschaft wurde noch ca. drei Monate weiter geführt und hat sich dann auf Grund der Situation, sie dort, ich da, im Sande verlaufen.
Der Abschied in Moskau fiel mir leicht, denn die Fahrt führte nun weiter Richtung DDR, das eigentliche Ziel meiner Reise.
Nach kurzen Zwischenstops in Smolensk, Warschau und Prag sass ich im Fernzug Prag – Berlin (Ost).
Auf dieser Fahrt lernte ich eine junge Frau namens Beate Hohmann aus Leipzig kennen. Sie war auf der Rückreise von Bratislava. Beate war ca.24 Jahre alt, hübsch, hatte lange braune Haare und arbeitete als Technikerin.
Nach etwa einer Stunde Zugfahrt gestand Sie mir, dass sie in Bratislava über die grüne Grenze nach Österreich flüchten wollte, aber auf Grund der stark bewachten Grenze von ihrem geplanten Fluchtplan abrückte.
*
Politisch naiv und nicht geschult, erklärte ich ihr, wie ich ihr vielleicht helfen könnte. Wie wusste ich noch nicht, aber mit einem falschen Pass oder Lenzlingers Fluchthilfe -Unternehmen müsste da vielleicht irgendwo eine Möglichkeit vorhanden sein.
Kurz vor Dresden tauschten wir unsere Adressen aus. Als ich später wieder in der Schweiz war, telefonierte sie und schrieb mir mehrere Briefe. Ich hörte jedoch lange Zeit gar nichts mehr von ihr.
Es vergingen mehrere Monate bis eine Karte aus der Nähe von Stuttgart mich in Zermatt erreichte, wo ich inzwischen als Kutscher beim Taxiunternehmen „Imboden“ für eine Wintersaison tätig war. Danach hatte ich wieder eine Stelle als Koch in einem Hotel.
Sie schrieb, ich solle ja nicht mehr in die DDR einreisen, da ich verhaftet werden könne.
Auf Grund des Telefon- und Briefkontaktes mit mir wurde sie damals verhaftet und später, bei der Amnestie im Jahre 1971, in den Westen frei gelassen.
Inzwischen besuchte ich jedoch mehrere Male Leipzig, Dresden und Ostberlin
und konnte nichts Verdächtiges feststellen. Wer weiss …?
Dies war meine erste Begegnung mit einer Bürgerin der DDR und der Situation hinter der Mauer, die mich sehr beeindruckte.
Nach meiner Begegnung im Zug erreichte ich Ostberlin, wo ich im Hotel „Berolina“ zwei Nächte gebucht hatte.
Das Nachtleben war ganz schön beeindruckend, war doch in der Schweiz erst im Jahre 1968 das erste Mal in Basel die Polizeistunde in einigen Lokalen bis 2.00 Uhr nachts verlängert worden. In Winterthur mussten die Tanzlokale bereits um 23.30 Uhr ihre Pforten schliessen. In Ostberlin jedoch wurde bis 4.00 Uhr gefeiert.
Vieles verstand ich nicht. Wurde ich mal von einer jungen Berlinerin nach Hause eingeladen, wurde mir des öfteren erklärt: „Achtung, spreche ja nicht zuviel und schon gar nicht über Politik“. Da war immer so der Eindruck, es herrsche ein Misstrauen innerhalb der Familie: Vorsicht, die Schwester, Mutter oder Vater…und dazwischen immer wieder das Thema Flucht, Flucht, Flucht. Warum?
Immer wieder die Fragerei: was ist denn im Westen anders?
Warum kannst du herumreisen und ich nicht?
Warum, habe ich mich gefragt, ist die DDR so ein grosses Gefängnis?
Ist die Sehnsucht nach Freiheit, das grösste Verlangen im Menschen? Sicherlich!
***
2.Nochmals hinter den eisernen Vorhang und ab nach Amerika…
Es war in den Jahren 1971 bis Frühjahr 1973, in welchen ich mehrmals zum Wochenende in Ostberlin, Leipzig, Dresden oder auch in Prag verweilte. Im Reisebüro Kuoni bestellte ich eine oder zwei Übernachtungen und mit diesem Voucher (Hotelgutschein in harter Währung schon bezahlt) konnte man an der Grenze im Zug ein Visum für die DDR oder CSSR bekommen. Wenn ich zum Beispiel nach Leipzig wollte, nahm ich jeweils um 16.00 Uhr den Zug von Zürich nach München, wo ich auf den Interzonenzug umstieg und morgens um halb sieben in Leipzig ankam.
Ein anderes Mal flog ich mit der PAN-AM von Zürich über Frankfurt nach West-Berlin Tempelhof, weil es wegen dem Viermächteabkommen keinen Direktflug ab Zürich gab.
Am Checkpoint Charlie, der nur für Ausländer bestimmt war, liess ich die Kontrolle durch die arroganten DDR-Grenzer (Vopos) über mich ergehen. Wer jemals in die DDR eingereist ist, der weiss wie es war. Nach über einer Stunde Wartezeit wurde mein Gepäck gründlicher durchsucht als sonst und die Beamten fanden noch einen zweiten Schweizer Pass der auf meinen Namen ausgestellt war. Dann ging die Fragerei los und meine Schweissflecken unter der Achsel wurden immer grösser. Ich dachte, wenn sie jetzt noch eine Leibesvisitation machen, finden sie auch noch die 3000 Ostmark die ich in den Schuhen hatte und der Urlaub wird hier wohl zu Ende sein. Für einen Franken erhielt ich in der Schweiz sechs Ostmark. Und schon wieder die Fragerei, warum haben sie einen zweiten Pass bei sich?? Wiederum erklärte ich, dass ich ein kleiner Weltenbummler sei und der alte Pass ja schon fast voller Stempel sei. Wortlos ging der Beamte raus und nach einer Stunde Wartezeit kam er wieder in die Kabine. Er hatte offensichtlich auf die DDR Botschaft in Bern telefoniert, denn er machte diesbezügliche eine Bemerkung.
Nach fast 3 Stunden langem Warten entliessen sie mich in ihre selbst ernannte Hauptstadt der DDR, Berlin. In den Stasiunterlagen wurde später notiert, dass meine Reisen wohl amourösen Charakter hätten.—-??
*****
Im Frühling 1973 las ich in einer Schweizer Gastrozeitung dass in einem Schweizer Luxusrestaurant in den USA ein Küchenchef/Alleinkoch für die Sommersaison gesucht wird. Ich meldete mich telefonisch und nach einer Woche bekam ich den Vertrag. Der Hin- und Rückflug wurde bezahlt. Die Freude war gross. Anfangs Juni war es soweit. Zuvor war ich nochmals schnell in Leipzig, und es lag wieder ein Abenteuer vor mir.
Ich, der Koch, kann nach Amerika…
Das Restaurant befand sich im Bundesstaat Maine in Bridgton an einem kleinen See.
Stellen sie sich mal vor: vier verschiedene Flugzeuge brachten mich zu meiner neuen Arbeitsstelle. Von Zürich aus mit dem Zug nach Luxembourg, dann nach Island, wo ich noch 3 Tage Urlaub machte und mir diese schöne Naturinsel anschaute. Der nächste Flieger brachte mich nach New York, Boston und nach Portland/Maine. Das Geld war nun alle und ich kam mit 4 ½ Dollar in der Tasche bei meiner neuen Arbeitsstelle an. Ausser dem Inhaber Hans Jenny, ein Schweizer aus Chur, konnte niemand deutsch und so musste er in der ersten Zeit als Dolmetscher hinhalten. Ich konnte nämlich absolut kein Englisch und die Service- und Küchenmitarbeiter/innen keine Fremdsprache. Mister Jenny machte sehr viel Reklame mit dem „Swiss- Chief“ aus Zermatt und so musste ich bereits 2 Wochen nach Ankunft zu den Gästen in das Restaurant weil sie den „Swiss- Chief“ sehen wollten. Viele von seinen Gästen waren schon einmal in Zermatt und nun waren sie neugierig in welchem Hotel ich dort gearbeitet habe.
Mit meinem holprigen Englisch ging es nicht schlecht, obwohl die Kellnerinnen hinter den Kullissen sich über mein Englisch krumm lachten. Aber ich rächte mich! Am 4.Juli dem Nationalfeiertag der USA versteckte ich mehrere lebende Hummer unter den Betten in ihren Zimmern. Nach dem Mittagsservice gingen sie dann hoch und plötzlich ging ein Geschrei los. Ich amüsierte mich köstlich und sammelte die Hummer wieder ein, die es am Abend gekocht und mit nussbrauner Butter übergossen, für die Gäste gab.
Im September ging das Arbeitsverhältnis zu Ende. Ich kaufte mir ein “ Greyhound „Busticket für vier Wochen, was damals 149 Dollar kostete und mit dem man beliebig viele Fahrten machen konnte. Diese Reise führte von Portland nach Boston, New York bis nach Florida, wo ich zwei Tage Aufenthalt machte. Als ehemaliger Schiffskoch zieht mich in jeder Stadt der Hafen an. Auf der Fahrt mit dem Bus nach Key West begegnete mir ein junges Schweizer Ehepaar aus Zürich. Zusammen schauten wir uns am südlichsten Ende Nordamerikas Key West an. Das Ernest Hemingway Museum hat mir sehr gut gefallen – ich war begeistert. Die über 100 Katzen die dort ihren Lebensabend verbringen fand ich toll. Auf der Rückfahrt unterhielt ich mich mit Hans und Maria über ihre und meine Weiterfahrt. Wir beschlossen, gemeinsam den Yacht-Hafen zu besuchen. Nach dem Abendessen im Hafenrestaurant, das übrigens voller Schweizer-Fahnen hing, machte ich am späten Abend den Vorschlag. man könnte unter freiem Himmel übernachten. Die Nacht war schwül, und es herrschte ein schöner Sternenhimmel.
Vor dem Restaurant war ein freier Platz mit Säulen und Bänken dazwischen, auf die wir uns legten und noch eine Weile über Amerika plauderten, bis wir einschliefen. Das würde ich heute aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr machen; man kannte damals die jetzt so hohe Kriminalitätsraten noch nicht. Bereits am frühen Morgen um sieben Uhr suchten wir in der Nähe ein Breakfastlokal auf, wo wir billig frühstücken konnten und es Kaffee gab, soviel man wollte. Danach spazierten wir zum Busbahnhof und wir verabschiedeten uns. Sie fuhren Richtung Norden und ich Richtung New Orleans, Texas, mit einem Abstecher nach Monterey in Mexico, danach nach San Diego und Los Angeles.
Jetzt war mir das Busfahren verleidet und habe im Reisebüro den nächsten Flug nach Honolulu auf Hawaii gebucht. Dort verbrachte ich eine Woche Urlaub. Ein Ehepaar sprach mich an, weil es die Schweizer-Fahne auf meinem grossen blauen Rucksack sah. Sie boten mir gratis ein Zimmer an und machten mit mir noch eine Inselrundfahrt. Das Essen jedoch bezahlte ich immer selber.
Die Ersparnisse wurden weniger und ich buchte den Heimflug von Honolulu über Chicago, Amsterdam nach Zürich . Der Abflug erfolgte am Abend und früh am Morgen landete das Flugzeug der Delta Airlines in Chicago. Weil der Flug nach Amsterdam auch erst am Abend begann, verbrachte ich endlose Stunden mit Warten auf dem Airport. Hätte ich noch genügend Geld gehabt, wäre ich in die City von Chicago mit dem Bus gefahren. Abends um 19.00 war es soweit und ich bestieg das Flugzeug der KLM nach Amsterdam. Die Hälfte des Fluges verschlief ich, bis mich die Stewardess zum Frühstück weckte. Die Heimreise dauerte von Montagabend bis Mittwochmittag.
Wieder zu Hause, ging ich erneut auf die Stellensuche.
Ja, wo war ich eigentlich zu Hause?
Zu meinen Eltern hatte ich ja schon lange keinen Kontakt mehr…! Und so kaufte ich zum zweiten Mal die Gastrozeitung…
***
3. Als Privatkoch auf der Schweizer Botschaft in die DDR…
Nach dem USA Aufenthalt wohnte ich für ein paar Tage bei einem Berufskollegen in Zürich.
In der Gastrozeitung, die ich gekauft hatte, stand ganz klein:
Gesucht:
Privatkoch in Diplomatenhaushalt nach Ostberlin ( und die Anzeigennummer )
Nur fünf Worte und ich dachte, diese Stelle muss ich haben und meldete mich schriftlich. Dann klingelte das Telefon bei meinem Freund und ein Herr Dr. H. Miesch meldete sich und wünschte Herrn Gross zu sprechen.
Aufgeregt übernahm ich den Anruf. Er stellte sich als Schweizer Botschafter in der DDR vor. Er weile gerade in Kerzers, in der Nähe von Bern, an seinem Wohnort. Wir machten für das Vorstellungsgespräch einen Termin bei ihm zu Hause ab.
Ich hatte grosses Lampenfieber und reiste nach Kerzers. Das Vorstellungsgespräch verlief in ruhiger Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen, wo ich auch die Gattin des Botschafters kennen lernte.
Meine Erzählungen und der Bericht über die Reisen hinter die Mauer beeindruckten ihn sehr.
Die Schweiz anerkannte den DDR-Staat als erstes westliches Land 1973 und eröffnete im gleichen Jahr die Botschaft in Ostberlin und ein Generalkonsulat im Westteil von Berlin. Dort befindet sich heute wieder die Schweizer Botschaft.
Anfang November war es soweit: ich trat in die Dienste des Botschafters an der Kuckhoffstrasse in Niederschönhausen . Hier war die Residenz. Die Botschaft befand sich an der Esplanade in der Nähe des Grenzüberganges Bornholmerstrasse.
Bei Empfängen, wie dem 1.August, dem Nationalfeiertag, erschienen bis zu 200 Personen. Darüber lag die Wohnung des Botschafters. Im linken Hausteil befand sich unten eine grosse Küche und darüber mein Wohntrakt, ein grosses Zimmer und die Sanitärräume.
Vor dem Haus zierte ein Erdhügel den Garten. Darauf pflanzte man kleine Fichten und Tannen. Die Nachbarn nannten ihn den Kartoffelhügel.
Gegenüber befand sich die Residenz der ständigen Vertretung der BRD.
Meine Aufgabe war das Frühstück, das Mittag- und Abendessen für das Botschafterehepaar zu zubereiten.
Samstagnachmittag und Sonntag hatte ich frei. Im Monat gab es höchstens vier Anlässe mit jeweils 10-24 Personen. Am Mittag waren es meistens Diplomaten, die ohne ihre Gattinnen bei uns dinierten, am Abend waren fast immer Botschafterehepaare aus westlichen Ländern und hin und wieder Mitarbeiter des Aussenministeriums der DDR geladen. An General Kessler und den Fernsehturmerbauer kann ich mich sehr gut erinnern. Wie die den Sozialismus verherrlichten! Obwohl ich politisch nicht geschult war, hörte ich den Gesprächen interessiert zu und der Botschafter bemerkte dies, denn er sah meine Mimik. Er warf mir einen strengen Blick zu und so war ich immer sehr freundlich zu seinen Gästen. Bei Anlässen von mehr als 10 Personen durfte ich Bedienungspersonal aus dem Hotel Unter den Linden einstellen.
Aber auch bei einem Dinner von 10 Personen steckte sehr viel Arbeit dahinter.
Nach einem dieser Dinner, kann ich mich erinnern, kam der Herr Botschafter in die Küche lobte mein Essen und den Abend .
Alle Weine und Champagner habe ich vorher probiert und hin und wieder liess ich schon mal, zum Ärger der Nachbarn, die Korken auf das Nachbargrundstück fliegen. Zudem stiess ich gerne in der Küche mit der Wirtschafterin, oder dem übrigen anwesenden Personal, mit einem Glas Wein an. Es kam dann schon mal vor, wenn ich nicht servieren musste, dass ich ein Gläschen zuviel hatte.
Er betonte, ich sei heute ja ganz nüchtern. An dem Abend war ich wirklich stocknüchtern, denn ich wollte noch wegfahren, aber dafür war der Herr Botschafter umso vergnügter.
Bei einem Dinner waren auch Herr Staatssekretär Günter Gaus mit seiner Gattin, von der ständigen Vertretung der BRD, zu Gast. Tatsächlich fragte mich am andern Tag Frau Miesch, ob ich der Gattin von Herrn Gaus nicht das Rezept der Rösti und des Geschnetzelten geben könne. Ich war gar nicht begeistert und erklärte, Frau Gaus müsse doch nicht unsere Spezialitäten ihren Gästen anbieten.
Der Wein wurde direkt aus der Schweiz angeliefert. Gemüse und Salate kaufte ich in der HO gleich um die Ecke.
Das meiste Fleisch holte ich in einer Metzgerei in der Schönhauserallee. Was ich sonst noch brauchte holte ich in Westberlin.
Ich fand das Botschafterehepaar sehr nett, korrekt und sie interessierten sich auch für meine Eindrücke, die ich in meiner Freizeit sammelte.
Viel Freizeit stand mir zur Verfügung, trotz Küchendienst, Gartenarbeit, Einkauf und Spaziergängen mit dem Hund des Botschafters. Der Hund war eine Mischung aus Pudel und Schnauzer und hiess Blacky. Als das Botschafterehepaar drei Wochen im Urlaub in der Schweiz verweilte, war es meine Aufgabe für Blacky zu kochen. Er liebte das Hundefutter „Chappi“, dass ich im KADEWE für ihn einkaufte.
Pro Monat verbrauchte ich in Ostberlin das Durchschnittsgehalt eines DDR Arbeiters nur für Fahrten im Taxi und so entschloss ich mich, im Frühjahr 1974 die Fahrschule in Ostberlin zu absolvieren.
Umgerechnet bezahlte ich dafür 200 DM, was natürlich sehr günstig war, durch den Schwarzumtausch in Ostberlin. Für DDR Bürger betrug die Wartezeit im Schnitt 2 Jahre, aber wenn sie Freunde oder Verwandte im Westen hatten, die die Gebühren in DM bezahlten, war es auch für sie möglich, innerhalb von drei Monaten die Fahrschule zu beginnen.
Die Fahrprüfung bestand ich erfolgreich auf einem „Wartburg“. Ich hielt mich sehr an die sozialistische Fahrweise, wie es im Unterricht erklärt wurde. Aber ich hatte ja noch kein Auto.
Zu erwähnen ist, dass DDR Bürger mehrere Jahre auf ein Auto warten mussten. Familien die Kinder hatten, meldeten gleich nach der Geburt ihres Kindes, ihr Kind für ein neues Auto an.
Ich hatte immer noch Kontakt zur Familie Müller in Zürich, bei der ich vor ein paar Jahren als Schiffskoch tätig war.
Wieder einmal telefonierte ich aus Langeweile mit Hilde Müller, der ehemaligen Kapitänsfrau aus Zürich. Als sie hörte, dass ich gerade die Fahrprüfung bestanden habe, gratulierte sie mir und erwähnte, sie hätte einen Mini Cooper zu verkaufen. Vom Preis her passte es in mein Budget und ich konnte den Wagen innerhalb von drei Monaten abbezahlen. So holte ich den ersten MINI COOPER in die DDR. Ich war innerhalb von drei Monaten stolzer Autobesitzer geworden und hatte viel Spass mit dem MINI.
Bei Arbeitsantritt in der Botschaft hatte ich vom Aussenministerium der DDR einen Ausweis bekommen, der mich von den Grenzkontrollen befreite und der mich als Mitarbeiter der Schweizer Botschaft auswies. Bei einem Grenzübertritt musste man diesen Ausweis und den Schweizer Pass vorweisen. Diplomatischen Schutz aber hatte ich nicht, wie z.B. der Koch von der ständigen Vertretung der BRD, der einen Diplomatenpass besass. So konnte ich in der ganzen DDR ohne Kontrolle herumfahren . Für mein Auto gab es ein rotweisses Diplomatenkennzeichen . Die Nummer war CY-33-10.
Einmal stellte ich das Auto in Oberhof/Thüringen vor dem Panoramahotel ab und ging zur Rezeption. Danach wollte ich wieder zu meinem Auto. Es standen aber vierzehn Personen um meinen MINI herum und dies war oft der Fall in der DDR .Ich hatte viel Spass daran und oft stellte ich mich hinter die Leute und hörte zu, was sie so erzählten über den Mini. Als ich mich bemerkbar machte, dass ich einsteigen möchte guckten sie verduzt, denn mit 1.87m hatten sie nicht so einen grossen Autobesitzer für so ein kleines Auto erwartet. Von vorne sah der MINI aus wie ein Trabi. Schöne Abziehbilder und aufgeklebte Streifen dekorierten meinen MINI fast “ unauffällig „.
Wer war nun der Exote in der DDR, ich oder der MINI, oder wir beide?
Spassig war auch, auf der Autobahn hinter einer schwarzen Partei- oder Regierungslimousine z.B. einem „Wolga“ oder „Tatra“ hinterher zufahren.
Dann ging hinten das Vorhängchen auf und sie schauten wer sich da wagte, ihnen zu folgen. Diese Wagen fuhren mit mindestens 120 km/h oder mehr, obwohl nur 100 km/h gestattet waren. Aber mit meiner Diplomatennummer gab ich schon mal Vollgas und überholte die schwarzen Limousinen mit 150 km/h, grüsste und weg war ihr Verfolger!
Vor der damaligen Hauptstadt der DDR fanden auf den Berliner -Ring – Autobahnen jeweils überall Kontrollen statt. Überwachung total dachte ich. 80, 60, 40 und ich blieb bis zur Tafel 40 auf dem Gaspedal und bremste brüsk runter. Die Beamten sprangen mit den Händen gestikulierend auf die Fahrbahn. Dann sahen sie das rotweisse Diplomaten Kennzeichen, salutierten und ich grüsste sie höflichst zurück. Im Vorbeifahren hatte ich dann wirklich nur noch 40 auf dem Tachometer.
4. Tanz-Café Nord/Schönhauserallee / Ost-Berlin
Es wurde mein Stammlokal. Die Mitarbeiter waren alle sehr nett und freuten sich sehr, wenn man eine TV Zeitschrift, Musikcassetten oder andere Medienprodukte wie „Stern“ oder „Quick“ mitbrachte. Auch erfüllte man einige Wünsche, die sie gerne in Ostmark bezahlten, 1:4 versteht sich. Dafür bekam ich immer einen Platz und musste niemals anstehen, wie sonst üblich in der DDR.
Im Hotel „Stadt Berlin“ befand sich die Panoramabar mit Tanz und Livemusik. Dort rein zukommen war für viele DDR Bürger fast unmöglich. Aber ich wickelte immer einen 5 DM Schein,ca.20 Ostmark bereits im Lift um meinen Zeigefinger. An der Garderobe verlangte ich höflichst einen Tisch und die Garderobiere erblickte meinen nicht zu übersehenden „Westschein“. Sie erklärte mir : ja sie wissen doch, dass sie vorher reservieren müssen, aber sie gehe jetzt mal schauen ob noch ein Tisch frei wäre. Und es war immer einer frei. Diskret überreichte ich ihr das Scheinchen und es zeichnete sich stets ein nettes Lächeln ab.
Ein Glas „Rotkäppchen“- Sekt kostete mich umgerechnet 40 Pfennig und es kam schon mal vor, dass ich ein Schwipschen hatte und dann noch mit dem Auto nach Hause fuhr; aber die Strassen waren nachts fast leer und breit genug.
An einem schönen Maiabend 1974 machte ich mich zu Hause für einen Vergnügsamen Abend zurecht. Ziel: Café Nord.
Im roten Jeansanzug, knallgrünem Hemd und einem feinem Eau de Cologne, machte ich mich auf den Weg…
Es war wieder einmal schwierig einen Parkplatz in der Nähe des Café Nord zu finden. Am Wochenende standen um 18.30 Uhr schon die ersten Gäste vor der Tür, obwohl das Lokal erst ab 20.00 Uhr geöffnet war.
In der Wichertstrasse fand ich noch einen Parkplatz. Mit einem Beutel voller Westzeitschriften erreichte ich mein Stammlokal. Peter, der Türsteher, begutachtete die Warteschlange. Als er mich sah winkte er mich zu sich und liess mich rein. Vorbei an argwöhnischen Blicken, denn sie sahen wohl das ich ein „Wessi“ sein musste. Peter freute sich über die mitgebrachten Zeitschriften, insbesondere aber über die TV Zeitschrift mit dem ARD und ZDF Programm. Danach ging ich an die Bar, begrüsste alle und bestellte ein Glas „Rotkäppli“ Sekt. Mit dem Glas in der Hand inspizierte ich die bereits anwesenden Gäste und hielt Ausschau nach einem schönen, blonden Mädchen. Rechts von der Bühne erspähte ich zwei junge, hübsche Frauen. Die Blonde sass rechts und daneben eine Brünette.
Nach der Pause spielte die Band gerade „SEASON IN THE SUN” und schnurstracks ging ich in Richtung der zwei Frauen und forderte die Blonde galant zum Tanz auf, worauf sie lächelnd einwilligte.
So machte man das damals noch !
Nach jedem Tanz sagte ich lächelnd, nicht Danke, sondern MERCI, mit Absicht natürlich. So erregte man die Neugier einer DDR Frau. Wer sagt denn schon MERCI? Der muss wohl aus dem Ausland kommen. Sie spitzte ihre Ohren und war wohl neugierig zu erfahren, woher ich komme. Im Laufe des Abends lud ich sie zu einem Glas Sekt an die Bar ein, worauf ihre Freundin nicht gerade begeistert in die Runde blickte. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte, dass ich hier in der DDR arbeite.Sie war sehr erstaunt
Ich wiederum erfuhr, dass sie als Pharmacie – Ingenieurin im Klinikum Buch bei Berlin, in der Blutspendeabteilung arbeite. Ich fragte nach ihrem Namen und erfuhr, dass sie Christa und ihre Freundin Monika heisst.
Ich war übrigens sehr dem Charme der DDR Frauen erlegen, waren sie doch sehr natürlich und konnten sich auch über kleine Dinge freuen, insbesondere wenn es etwas aus dem Westen war. Es kam schon mal vor, dass ich mit einer Bekannten an die Grenze fuhr und erklärte, sie solle schöne Blumen, meistens Rosen oder ab und zu auch eine Pizza.
Im Laufe des Abends setzte ich mich zu den beiden Frauen an ihren Tisch, wobei ich um Mitternacht mein „Ragout Fin“ oder „Schweinssteak mit Letscho (Peperonigemüse) und Pommes“ bestellte. Manchmal aber auch beides. Frisch gestärkt ging es in die nächste Runde.
Um 1.30 Uhr begleitete ich die zwei Frauen zur S-Bahn Station Schönhauser Allee. Zuvor allerdings tauschten wir noch unsere Adressen und Telefonnummern aus. Danach verabschiedete ich mich höflich, weil gerade die S-Bahn einfuhr.
Zufrieden suchte ich mein Auto auf und fuhr nach Hause.
Nach vier Tagen meldete ich mich telefonisch bei Christa auf ihrer Arbeitsstelle und wir vereinbarten ein Rendez – Vous am Wochenende.
Wir trafen uns am Alexander Platz an der Weltzeituhr. Ich lud sie in das Restaurant „Ganymed“ ein, das es heute noch gibt. Das ungarische Essen genossen wir sehr. Dieses Restaurant gehörte zu DDR Zeit zu den rennomiertesten Ost-Berlins. Danach fuhren wir zum Tanz in „Die kleine Melodie“, ein Tanzlokal, das in der Nähe vom alten Friedrichstadtpalast lag. Langsam kam man sich näher und nachts um 2.00 Uhr fuhr ich sie nach Bernau, wobei wir im Auto noch eine Zeitlang herumschmusten ehe ich mich bis zum nächsten Treff verabschiedete.
Ein paar Tage später besuchte ich sie in ihrer Wohnung in der „Hohen Steinstrasse“ und war erstaunt in was für einer Behausung sie wohnte. Ich schüttelte nur den Kopf: keine Dusche, das WC eine Etage tiefer und die Kochstelle in einer Art Abstellkammer, darüber die nackten Ziegel, die mit der Zeitung NEUES DEUTSCHLAND ein wenig abgedeckt waren. Ich dachte an gewisse südländische Häuser. In der Schweiz wären nicht mal die Gastarbeiter in so eine Behausung gezogen. Trotzdem wurde es ein romantischer Abend bei Bouletten, Kartoffelsalat und Sekt, den ich mitgebracht hatte.
Die Mitarbeiter der diplomatischen Vertretungen konnten in einem zollfreien Shop in der Friedrichstrasse einkaufen, was auch ich reichlich tat. Eine Stange Marlboro kostete dort 5.—DM, Kaffee ein Kilo 6-8 DM usw.
Früh am Morgen verliess ich ihre Wohnung und die Romanze begann ohne dass ich es ahnte. Mir tat der Rücken weh, von dieser Schlafcouch, weil sie zu kurz und viel zu hart war.
Eine Woche später fragte Christa mich, ob ich Lust hätte sie in Zittau bei ihren Eltern zu besuchen, worauf ich einwilligte. Sie fuhr bereits am Freitag los und ich setzte mich am Samstag um 14.00 in meinen MINI und startete Richtung Zittau, das ich in einer rasanten Fahrt bereits um 16.50 erreichte.
Der Zustand der Autobahn liess sehr zu wünschen übrig, insbesondere die Strecke von Dresden nach Bautzen, die nur aus Schlaglöchern bestand und die das Tempo von 120 auf 60 reduzierte. In Zittau an der Roseggerstrasse angekommen, versuchte ich vergebens einen Parkplatz zu finden, also stellte ich den MINI vis-à-vis unter eine Laterne in Sichtweite der Wohnung von Christas Eltern.
Schon mehrmals wurde nämlich an meinem MINI etwas abmontiert oder Kleber abgerissen.
Die Wohnung war nett und sauber eingerichtet und Christa empfing mich sehnsüchtig im Hauseingang Nummer 35.Sie stellte mich ihren Eltern vor, die sehr zuvorkommend waren, wohl nichtsahnend der Dinge, die noch folgen sollten. Die Mutter war Hausfrau und der Vater arbeitete als Ingenieur im Federnwerk Zittau. Christas Vater ist in Zittau geboren und hat seine Frau in Kiel kennen gelernt, da er in Kiel die Marineschule absolvierte. Ihr Vater fand nach den Kriegsjahren keine Arbeit in Kiel, so kehrten sie 1950 gemeinsam nach Zittau zurück, das im deutsch – polnisch – tschechischen Dreiländereck liegt.
Christa hatte noch zwei Schwestern, Jutta und Monika, die aber älter waren.
So führte mich der Weg in den abgelegensten Winkel der DDR. Für mich war es wie das Ende der Welt.
Aus der Bekanntschaft wurde eine Freundschaft.
Im Juli 1974 hatte ich in Zepernick bei Bernau eine Autopanne, als ich zur Christa fahren wollte. Der Keilriemen war gerissen. Ganz in der Nähe befand
Eigentlich hätte mich der Namen stutzig machen sollen! Aber ich war total ahnungslos.
Erst 1994 ersah ich aus den Stasiakten, dass er auch die Autos der Stasi repariert hatte. Ich war, ohne es zu ahnen, in der Höhle des „roten Löwen“ gelandet.
Also musste ich in Westberlin einen Keilriemen besorgen. Als Bezahlung brachte ich auf seinen Wunsch hin Kaffee, Bier, Zeitschriften und Zigaretten mit. So hatte ich einen „neuen Freund“, der mich auch zu sich nach Hause und zu seiner Familie einlud. Hin und wieder besorgte ich für ihn Waren, die in der DDR nicht zu bekommen waren, zum Beispiel von Grundig ein Zusatzgerät für die Ostfernseher, damit sie das Westprogramm in Farbe schauen konnten. Dieser Teil wurde immer illegal eingebaut und jeder hatte da so seine Beziehungen. Mein neuer Freund wohnte im Schweizer Viertel an der Züricherstrasse in Zepernick, wo er ein stattliches Haus besass. Ich fand es irgendwie amüsant, dass er gerade im Schweizer Viertel an der Züricherstrasse wohnte. ( Er wohnt jetzt in Wandlitz )
Dazwischen war ich auch mit Christa dort und lernte ebenfalls seinen Freund Dieter B. kennen,der auch Zepernick wohnte. Wir machten einen netten Herrenabend zu Dritt.
Je mehr Freunde und Bekannte man hatte, umso öfter wurde auch das Thema Flucht angeschnitten oder darüber gesprochen. Viele wollten eigentlich nur mal kurz rüber zum Schauen, wie es dort so ist… Hätte ich ihnen misstrauen müssen? Warum wohl? Ich kannte dies nicht, jedem Misstrauen zu haben. Überhaupt fand ich nichts dabei über so ein heikles Thema zu diskutieren.
Mehr dazu in einem späteren Kapitel.
Ich war halt ein Schweizer und die Freiheit die ich kannte, war vielen DDR Bürgern unbekannt. Viele konnten sich gar nicht vorstellen, einfach so zum Wochenende nach London zu fliegen, wie ich dies im Oktober 1974 tat.
Das ist doch die Freiheit die ich meine…
***
5.Die Vorbereitung zur Flucht….
An einem schönen Abend diskutierte ich mit Christa über den Westen und sagte ihr auch, dass ich schon oft in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gefragt wurde, ob ich jemandem zur Flucht verhelfen könnte. Es wurde mir auch Geld angeboten, wobei ich dies bisher immer abgelehnt hatte, obwohl es eine sehr grosse Versuchung war. Es war in Ostberlin vielen bekannt, dass alle Diplomaten und deren Mitarbeiter ungehindert alle Grenzübergänge passieren konnten. Aber das Abenteuer, die Mauer zu bezwingen, rückte immer näher. Habe ich den Mut dazu? Die Besuche bei Christa wurden immer häufiger und im Oktober 1974 sagte ich zu ihr, wir könnten einmal zum Wochenende auf den Ku’damm und zurück. Du kannst dann sehen, wie es dir in Westberlin gefällt und ob du die DDR verlassen willst, aber denke daran, ich habe bis Ende Mai 1975 einen Vertrag mit der Botschaft und kann diese Stelle nicht einfach so aufgeben. Sie wusste, dass es diesbezüglich Probleme auf diplomatischer Ebene gegeben hätte und erwähnte auch, dass sie im Frühjahr 1975 die DDR mit mir zusammen verlassen möchte. Christa ist schon immer gerne gereist und sie begriff nicht, dass sie nicht nach Ägypten oder nach Amerika reisen konnte. Sie fühlte sich wie in einem Riesengefängnis, was ich damals auch empfand.
Eigentlich hatte ich nach meiner Vertragserfüllung vor, mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Wladiwostok zu fahren und dort hätte ich das Schiff nach Japan genommen und hätte die Weltreise um den Globus über die Südsee fortgesetzt…
Nun beschlossen wir bei einem Glas Sekt für ein Wochenende nach Westberlin zu fahren. Vorher probierten wir allerdings in einem Waldstück bei Bernau aus, ob sie überhaupt in den Kofferraum passte. Zuvor hatte ich in der Garage auf der Botschaft das Reserverad herausgenommen und ein weisses Laken reingelegt. So konnte sie in diese Vertiefung sitzen. Das Schild MINI entfernte ich, denn so kam Luft durch die vier kleinen Löcher. Zudem lockerte ich die Rückwand der hinteren Sitzbank etwas. So kam auch etwas Luft vom Autoinnern in den Kofferraum. Von aussen oder innen jedoch sah man dies nicht, da ich stets noch eine Decke darüber legte, vor allem wenn ich im Westen Lebensmittel für ein Abendessen holte.
In der Residenz ereigneten sich sonst keine bemerkenswerten Vorfälle.
Auch flüchtete niemand in die Botschaft. Wie hätte ich mich verhalten wenn es trotzdem vorgekommen wäre? Ich weiss es nicht, denn ich wurde diesbezüglich nie darüber aufgeklärt, was ich hätte tun sollen, wenn tatsächlich so ein Fall eingetreten wäre, wie dies bei der ständigen Vertretung Deutschlands in den Jahren 1980-1989 oft der Fall war.
Einige Tage zuvor hatte ich Uwe Busch aus Solingen im Tanzcafe Moskau kennen gelernt, der eine Freundin aus Ostberlin hatte. Er hatte übrigens ein älteres Mercedes Cabriolet zu verkaufen und ich dachte das wäre doch etwas für mich, im Hohlraum für das Verdeck wäre genügend Platz für eine Person gewesen, besser als im Kofferraum des MINI.
Am Montag erzählte ich Herrn Botschafter Miesch von meinem Bekannten und dass dieser ein Mercedes Cabriolet zu verkaufen hätte, worauf er nicht gerade begeistert dreinschaute. Er überlegte und sagte, wir sollten zusammen einen Spaziergang mit Blacky, dem Hund, machen.
Es war bekannt, dass die Räume verwanzt waren, deshalb der Spaziergang. Die ständige Vertretung der BRD hatte einen abhörsicheren Raum, aber die Schweizer Botschaft wohl nicht.
Beim Spaziergang erklärte er mir, dass er wegen dem Mercedes nicht einverstanden sei, denn der hätte einen zu grossen Kofferraum.
Was wusste oder vermutete er?
Nach über einem Jahr erklärte er mir, dass ich ja nicht gegen ein Gesetz verstossen soll, da in der Schweiz ein Agentenehepaar gefasst worden sei, das in den Sulzerwerken in Winterthur spioniert hatte.
Ich dachte, das könnte meine Versicherung sein, wenn mir an der Grenze etwas zustösst, aber ich erklärte ihm, er müsse sich gar keine Gedanken darüber machen.
Niemals hätte ich zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass es tatsächlich so weit kommen könnte.
Er wirkte dabei sehr zufrieden und lobte meine Arbeit.
Wer war denn das DDR Agentenehepaar ?
Im Merkblatt des Generalstabschefs für Bedienstete des Eidgenössischen Militärdepartements über die Spionageabwehr, vom 1.Juli 1978 stand folgendes über das Agentenehepaar:
Am 7.August 1967 reiste Hans-Günter Wolf von der DDR kommend als Rückwanderer und mit falschen schweizerischen Ausweispapieren ( u.a. einem total gefälschten Reisepass) auf den Namen KÄLIN getarnt in die Schweiz, wohin ihm ein halbes Jahr später Gisela WOLF-KLIE folgte. Auch sie war mit falschen Papieren versehen und gab sich als ledige Ursula MEISSNER aus.
Am 1.März 1968 heirateten sie in der Schweiz, nachdem sie bereits 1949 in der DDR die nach wie vor gültige Ehe eingegangen waren.
Die beiden hatten sich anfangs 1966 verpflichtet, für den militärischen
Der in der Schweiz auszuführende Auftrag ging dahin, sich für die Übermittlung vorab militärischer Nachrichten in Krisenzeiten einzurichten.
Im übrigen verlangte die Zentrale gemäss speziellem Auftrag eine kontinuierliche Informationslieferung über Planung, Organisation und praktische Erprobung der schweizerischen Landesverteidigung, die Entwicklung neuer Waffen,
das Rüstungswesen und die militärische Zusammenarbeit mit neutralen oder Nachbarstaaten. Das Interesse galt aber auch den Massnahmen zur Wahrung der Neutralität, der innenpolitischen Entwicklung, dem Meldewesen, der Überwachung der Ausländer und der Grenzkontrolle sowie zahlreichen die Arbeitgeberfirma Gebr. Sulzer ( Maschinenfabrik in Winterthur) betreffende Einzelfragen.
Die Verhaftung erfolgte am 12.September 1973 nach wochenlanger Überwachung durch die Bundespolizei.
*
Im Jahre 1995 lernte ich in Winterthur diejenige Person kennen, die dem Ehepaar WOLF, ahnungslos, die Arbeitsstelle in die Firma Sulzer vermittelte.
*
Eigene Recherchen ergaben:
Dass Frau Wolf z.B. in der Mittagszeit die Büro des oberen Kader , bei deren Abwesenheit aufsuchte und wichtige Dokumente auf Mikrofilm bannte. In der Schweiz ist es nämlich durchaus üblich, dass Offiziere während ihrer normalen Arbeitszeit den „Bürokram“ für ihre militärische Dienststelle während der Arbeitszeit erledigen.
*
Die Person die ich in Winterthur kennen lernte, erzählte mir von ihrer Bekanntschaft zum Ehepaar Wolf. Das Ehepaar WOLF wohnte in einer Fünfeinhalb – Zimmerwohnung in Effretikon. Sie schilderte auch die Fahrt im VW – Bus des Ehepaar Wolf, als sie im Zollfreilager in Basel eine Möbeltruhe mit ihnen abholte. Sie wunderte sich, warum die Truhe so schwer war.
Im Merkblatt der Spionageabwehr steht darüber:
Die Eheleute Wolf verfügten über zwei Kofferradios, mit welchen sie die Sendungen der Zentrale empfangen konnten, und wurden nacheinander mit verschiedenen Sendegeräten ausgerüstet, wovon das zuletzt in ihrem Besitz befindliche nach Anheben der Strafuntersuchung im Doppelboden einer eigens dafür hergerichteten antiken Truhe gefunden wurde. ( Die Truhe aus Basel!) Sie waren sodann im Besitz von Decknamen- und Schlüsseltabellen für den Funkverkehr, Kontaktpapier mit entsprechenden Chemikalien, einer vielseitigen Fotoausrüstung, zahlreichen Gebrauchsgegenständen mit geheimen Fächern sowie Ausweispapieren auf einen weiteren Falschnamen.
Am 21. Juni 1975 verurteilte das Bundesgericht Gisela und Hans-Günter Wolf zu je sieben Jahren Zuchthaus und zu 15 Jahren Landesverweisung.
Das Ehepaar Wolf verdiente zusammen 50′000 Schweizerfranken netto
Im Jahr. Zudem bekamen Sie auf ein Nummerkonto 32′000 Franken aus der DDR und 1200 Mark monatlich flossen auf ein Konto in der DDR.
*
Uwe traf ich auch wieder, da er in Westberlin zu tun hatte und wir diskutierten über die Fluchtmöglichkeiten der beiden Frauen. Mit Uwe machte ich einen Termin aus für den Samstag, an dem ich seine Freundin abholen würde.
Um 14.00 Uhr hatte ich Feierabend und erklärte dem Botschafter, dass ich noch nach Westberlin zum Einkaufen fahren werde und fuhr nach Bernau wo ich Christa abholte. Wir fuhren zu dem uns bekannten Waldgrundstück, beobachteten die Gegend, fuhren ein Stück rückwärts in den Wald und öffneten den Kofferraum. Christa legte sich hinein und ich schloss den Kofferraumdeckel und fuhr Richtung Berlin zum Check Point Charly. Ohne Probleme kamen wir über die Grenze, wo ich sie in einem Parkhaus nahe der Friedrichstrasse auslud und wieder allein über die Grenze nach Ostberlin fuhr. Der Grenzer wunderte sich und fragte „Nanu, schon wieder zurück?“ Ich erklärte ihm, das ich mein Geldbeutel mit den DM vergessen hätte. Er nickte und wünschte gute Fahrt.
Die Freundin von Uwe wartete schon nervös am vereinbarten Treffpunkt. Sie stieg ein und nach 25 Minuten war ich mit ihr bereits im Westen, dort erwartete Uwe sie schon sehnsüchtig.
Tatsächlich fuhr ich innerhalb von 90 Minuten zweimal über den schwerstbewachten Grenzübergang der Welt.
Das war der Kick, damals noch das wahre Abenteuer!!
In der Pension Kardell an der Sybillstrasse hatten wir zwei Doppelzimmer gebucht. Nach den Formalitäten an der Reception bezogen wir das Zimmer und Christa beruhigte sich zunehmend. Sie hatte vor der Fahrt Beruhigungstabletten mit einem Wodka zu sich genommen.
*
Beim Bahnhof Zoo gab es ein chinesisches Restaurant in der ersten Etage, in dem wir ein wundervolles Abendessen zu uns nahmen. Danach gingen wir auf den Kudamm zum Bummeln. Im Kino lief gerade der Film „Die Reise nach Palermo“ und wir entschieden uns gemeinsam diesen Film anzuschauen. Nach dem schönen Film tranken wir im Bierpalast ein Bier. Eine Liveband spielte zum Tanz auf und nachts um 1.00 Uhr spazierten wir zu unserer Pension. Uwe meinte noch, wir sollen doch hier bleiben, es sei zu gefährlich wieder zurück zufahren. Ich erklärte ihm, es gehe ja ohne Probleme und ich könne jederzeit die Grenze ohne Kontrolle passieren. Ich sagte ihm, dass ich mit Christa abgemacht habe, dass wir im Frühjahr 1975 die DDR endgültig verlassen werden. Dies sah er ein und nickte. Am anderen Morgen gab es ein wunderbares Frühstück, danach bummelten wir zum Europacenter. Danach brachten wir am späten Nachmittag Uwe mit seiner Freundin zum Flughafen Tempelhof, um nach Hannover zu fliegen, weil er dort sein Auto geparkt hatte. Wir verabschiedeten uns und sie wünschten uns alles Gute.
Christa stieg in einem Parkhaus wieder in den Kofferraum und wir ereichten Bernau, wo es bereits dunkel war und sie ihr unbequemes Versteck verlassen konnte. Nach diesem Abenteuer verabschiedeten wir uns zärtlich. Ich flüsterte ihr ins Ohr: bis morgen Abend.
Konnte das wirklich noch einmal gut gehen und was hat Christa bei diesem Ausflug gefühlt ??
*
Bemerkung:
Einige Jahre später erfuhr ich von Uwe, dass ihn seine Freundin nach ein paar Wochen verlassen hatte. Sein Name wurde im Operativvorgang „Bahnhof“ der Stasi erfasst. Er reiste vier Monate nach unserer Verhaftung wieder zu Bekannten in Ostberlin.
Dr. Neiber, Generalmajor der Stasi, machte einen Vorschlag zur Verhaftung von Uwe Busch.
Das Ziel der Befragung besteht in der Klärung der Perspektive des Busch, Uwe, weil er an der Ausschleusung von seiner Freundin, durch den Koch Peter Gross der Schweizer Botschaft beteiligt war. Im Ergebnis aus der Befragung ist zu entscheiden, ob der Busch Uwe strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen ist oder ob aus der Persönlichkeit und der Perspektive eine operative Nutzung möglich ist—
Das heisst : die Stasi wollten ihn als IM oder Spion anwerben!
Am 18.7.1975 erhielt er eine Einreisesperre für die DDR.
Warum sie von ihrem Vorhaben abrückten, steht leider nicht in dem Bericht.
*
Das Gefühl von Christa beim ersten Bummel auf dem Ku’damm…;
Mit zaghaften Schritten begann mein Bummel über den Ku’damm. Ich war total überwältigt, aber auch verschüchtert über diese Vielfalt und dieses pulsierende Leben. In Ostberlin war doch alles so trist. Diese trendigen Restaurants! Bei uns waren sie fast alle wie Kantinen. Und die Leute waren so locker und aufgeschlossen. Mich überkam die Angst, jeder müsste mir doch meine Unsicherheit ansehen und merken, dass ich aus dem Osten komme.
Man wusste ja auch, dass es in Westberlin Stasispitzel gab. Ich war im Zwiespalt, wollte mich freuen und Spass haben, doch die Angst war stärker, immer musste ich an die Rückfahrt denken.
Denn ich musste mein Versprechen einhalten, sonst wäre Peter, mein Freund, der Stasi ausgeliefert gewesen.
***
6.Operation „Schleuse“…
Anfang Dezember 1974 war ich wieder bei meinem “Freund Peter Zemke” und seiner Familie eingeladen. Er äusserte sich wegen dem Westen und fragte beiläufig, wie denn das so sei, wenn man rüber möchte?
Ich sagte, du weißt ja, dass ich ungehindert die Grenze passieren kann und der Kofferraum sehr klein ist. Von Geld war keine Rede und ich schmunzelte darüber, worauf er mich komisch anschaute. Die Tür zu den hinteren Wohnräumen war offen.
Aus den Stasiunterlagen ist mir folgendes bekannt:
Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die OPERATION SCHLEUSE bereits angelaufen war, die dann später in BAHNHOF umgenannt wurde. Erst zwanzig Jahre später erfuhr ich von einem ehemaligen Nachbarn von Peter Z., dass er damals schon im Regierungsviertel ein und aus ging, was nicht einmal dem Chef der Volkspolizei in Bernau gegönnt war.
Der Abschluss der Operation BAHNHOF fand erst am 23.9.1976 statt.
Um dies zu verheimlichen, weihte er seinen Freund Dieter B. ein, man müsse die Stasi fragen, ob sie überhaupt mit mir verkehren dürfen. Ahnungslos ging er mit ihm und es liessen sich beide als „IM“ anheuern. Peter Zemke erklärte der Stasi, dass es also möglich sein könnte, Christa Feurich aus der DDR auszuschleusen bzw. zur Flucht zu verhelfen. Damals war mir der Ernst der politischen Lage noch nicht so bewusst. Jugendlicher Leichtsinn und Übermut brachte mich zu Äusserungen, die ich besser nicht gemacht hätte.
Auch bei Gesprächen in den Kneipen, oder bei ihm zu Hause, kam es schon mal vor, dass man ein Gläschen zuviel hatte und dann etwas sagte, was man lieber nicht gesagt hätte.
An einem dieser Abende erklärte Zemke, dass sich sein Freund Horst Lange vor Gericht wegen Fahrens im angetrunkenen Zustand verantworten müsse. Ich sagte: geh doch mit zur Gerichtsverhandlung und nimm den Prozess auf einem Tonband auf.
Ich werde dann versuchen die Geschichte dem Axel Springer – Verlag in West – Berlin zu verkaufen .
Bei den bis zu 30.12.74 erfolgten Besuchen bei Zemke mit Brosowski
sprach man hin und wieder über den Westen und die Flucht -möglichkeiten und deren Folgen. Wieder einmal hatte ich ein Problem mit dem MINI und Zemke war erstaunt über ein weisses Laken im Kofferraum.
Bemerkung:
Dieses benutzte ich vorwiegend als Schutz, wenn ich Fleisch und Lebensmittel einkaufte. Ich liess es nach einem Einkauf im Kofferraum und es wurde auch für den Ausflug an den Ku’damm mit Christa benutzt.
Beobachtungsbericht des Wachposten vor der
Residenz unter Die Residenz
Durch die Verhaftung von Beate Homann,die ich bei meiner ersten Einreise in die DDR im Zug kennen gelernt habe, entstanden die ersten Stasiunterlagen.
Dokumente unter : Hohmann
Ich zitiere aus den Stasiunterlagen;
Die erste Notiz war von Oberstleutnant Göricke aus Leipzig
Delikt: L-MN 76
Geplante Schleusung von Beate Hohmann mit Hilfe eines gefälschten Passes.
Bearbeitung: BV Leipzig, Abt IX
Göricke schreibt, da die Hohmann abgeurteilt und nach der Amnestie in die BRD ausgewiesen worden ist, besteht kein Interesse an einer aktiven Bearbeitung von Gross.
Der Gross wird abregistriert.
Diese Notiz ging am 28.8.74 an das Ministerium für Staatssicherheit,
Hauptabteilung II, in Berlin.
Am 30.8.1974 steht in der Informationsakte 1568 / 74: Über den Gross,
Koch, Kellner in der Residenz der Schweizer Botschaft wurde
folgendes bekannt:
Seine Hobbys sind Reisen, Fotografie, Segeln und Frauen.
Er besitzt in Berlin – Grünau eine Segelyacht, eine selbstentwickelnde Kamera für Farbfotos, eine Farbfotosammlung über die von ihm bereisten Länder, sowie eine stattliche Anzahl von Passfotos von DDR Frauen.
Seine Frauenbekanntschaften sucht er ausschliesslich und gern im Tanzlokal Linden – Corso aus.
Bemerkung : Die Infos stammen von IM Nicolai dem persönlichen Fahrer des Botschafters der Schweiz.(werde in einem späteren Kapitel über IM Nicolai berichten)
Ein Segelboot besass ich nie, es war nämlich ein Schneider Holzboot mit einem 1000cm3 Wartburgmotor mit dem ich die Ost – Berliner Gewässer befuhr.
*
In meinem Stammlokal unterhielt ich mich im November 74 mit dem Kellner Gerhard Schulte. Er fragte mich, ob ich jemand mit nach Westberlin nehmen könnte, was ich bejahte. Er fragte mich was das kosten würde? Ich erklärte, eigentlich mehr aus Jux, so für 10′000 DM würde ich das vielleicht machen. Schulte wollte angeblich die DDR nicht verlassen. Ich hätte ihn gar nicht im Kofferraum mit nehmen können weil er zu gross war. Er erzählte von dem Gespräch seinem Freund „ Aris“ ein IM des MfS.
Am 21.11.74 erfolgte eine Aussprache über die Mitteilung des „ IM Aris“, der im Wohngebiet in der Nähe des Café Nord wohnte.
Beteiligte MA:
Abt. II Gross – Berlin Gen. Wirth, Gen. Horschig
Hauptabteilung II / 9 Gen. Spalteholz Major
Gen. Wohlfahrt (Unterleutnant)
Ergebnis der Absprache und Massnahmen :
IM Aris erzählte von seinem Gespräch mit Schulte. Schulte könne nicht eingesetzt werden zur weiteren Bearbeitung. Der IM Aris führt zur Zeit eine wichtige Massnahme im Operationsgebiet durch. Aus diesem Grund müssen alle Massnahmen so abgestimmt werden, dass es zu keiner Dekonspiration des IM Aris kommt. Weiterhin wird geprüft, ob ein Schleusungskandidat zur Verfügung steht.
Bei allen Massnahmen muss die Zielstellung offizielle Beweise für die
Schleusungstätigkeit des Peter Gross berücksichtigt werden…
Wer war bloss IM „ARIS“?
Begründung:
1.Es folgt der Bericht über Beate Hohmann und wie sie mich kennen gelernt hatte.
2. Im Juni 1974 wurde durch die HA XX / 5 bekannt, dass das Fahrzeug CY 33 – 04 an der durchgeführten Schleusung von zwei DDR Bürgern beteiligt sein könnte. Die Vorbereitung dieser Schleusung sei durch die schweizerische Schleuserorganisation LENZLINGER aus Zürich erfolgt.
Das Fahrzeug CY 33-04 ist auf den Mitarbeiter der Botschaft Simmen zugelassen. Herr Simmen war Botschaftsrat.
3. Im Juli 1974 wurde durch die HA VI mitgeteilt, dass sich die Gloor , Rosemarie, in Westberlin mit dem Mitglied einer Schleuserorganisation getroffen hätte. Einzelheiten der Gespräche wurden nicht bekannt. Rosemarie Gloor war die Ehefrau des Hausmeisters auf der Botschaft.
4. folgt der Bericht über den Kellner Schulte.
5. Schulte Gerhard geb. 18.9.1943 wurde als IM Kandidat für die Abteilung II Gross – Berlin erfasst.
6. Gross informierte sich beim IM Nicolai über die Kontrollhandlungen der DDR Organe bei dessen Fahrten mit dem Wagen des Botschafters.
Es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein vorsichtiges Testen dieses Kraftfahrer in Unterstützung bei Schleusungen.
*
Mit dem persönlichen Fahrer des Botschafters, Siegfried Kregel „IM Nicolai“, sprach ich hin und wieder auch über private Dinge des Alltages.
Bei einem Gespräch, als er auf den Botschafter warten musste, fragte ich „IM Nicolai“ ob er kontrolliert werde, wenn er alleine nach Westberlin fahren durfte, um den Botschafter abzuholen? Er gab eine ausweichende Antwort.
*
Vor den Residenzen und ausländischen Botschaften gab es Schutzhäuschen. Tag und Nacht waren diese von Wachbeamten der Volkspolizei besetzt. Ihre Aufgabe war es, eine genaue Liste der Bewohner oder Mitarbeiter zu erstellen, wann sie kamen oder gingen.
So wusste die STASI immer, zu welcher Uhrzeit ich nach Hause gekommen oder weggefahren bin.
*
Die operative Bearbeitung dieses Hinweises erfolgte durch die HA II/ 9.
In Koordinierung mit den Hauptabteilungen VI und XX sowie der Verwaltung Gross – Berlin.
16.Dezember 1974; es ist vorgesehen, bei Gross Peter die Massnahme -A – der Abteilung 26 einzuleiten. Laufzeit bis 30.06.75
gezeichnet von Oberstleutnant Schierhorn
Aus dem Operativ – Vorgang „Bahnhof“ wurde die Operation „Schleuse“.
Sie läuft unter Reg. Nr. : XV 3929 / 74.
Am 30.12.74 machten Zemke und B. der KD Bernau Angaben über die Verhaltensweise des im Op. – Vorg. „Schleuse“ von der MfS Abteilung HA II/9 erfassten Peter Gross.
In ihren Aussagen berichteten sie von dem weissen Laken, dem bevor- stehenden Prozess von Horst Lange und mein Vorschlag wegen dem Tonband.
Zemke betonte zudem, es könnte möglich sein, dass ich mit Christa bereits im Westen gewesen sei.
Auf Grund ihrer Aussagen wurden folgende Massnahmen getroffen:
Die Zielstellung der Bearbeitung des Gross bleibt ein Nachweis seiner Schleusertätigkeit auf frischer Tat. Es scheint erforderlich die Verbindung zu Elisabeth Schmidt, der Haushälterin des Botschafters, aufrecht zu erhalten. Sie erwähnte, gegenüber Gross, dass sie Besuch vom MfS gehabt hätte. Die Schmidt wurde bereits im Mai 74 durch die HA II/9 kontaktiert. Es erfolgten Kontaktgespräche im Abstand von vier Wochen. Da der Schmidt kein volles Vertrauen entgegengebracht wurde, erfolgte keine Werbung und die Instruierung erfolgte nur in Richtung Sicherung der Residenz des Botschafters und dessen eigener Person. Die Treffabstände mit der Schmidt wurden vergrössert .
Die weitere Verfahrensweise mit der Schmidt kann dann gesondert festgelegt werden. Die Schmidt kennt die Genossen Oberleutnant Bürger und Unterleutnant Wohlfahrt mit Decknamen.
Mit dem Leiter der KD Bernau wurde am Abend vor dem Sylvester folgendes festgelegt:
Gross will im Juli 75 die DDR wieder verlassen, so dass die Klärung des Vorganges sowieso zügig erfolgen muss.
- Die KD ( Kreisdienststelle) unterhält weiterhin Kontakt zu Zemke und Brosowski, Zielstellung: Unterstützung der Beweisführung.
- Die in Bernau wohnhafte Freundin des Gross wird von der KD bearbeitet.
- Die Bearbeitung des Gross erfolgt in enger Koordinierung mit der Hauptabteilung II/9 und unter deren Federführung.
- Sollte eine Nachweisführung auf frischer Tat nicht möglich werden, wird geprüft in wieweit die protokollierte Aussage der Hohmann und
die Angaben von Zemke und Brosowski in dieser Form nutzbringend ausgewertet werden können.
( Aus den Angaben von Zemke und B. müssten daraus offizielle Protokolle gemacht werden ) gezeichnet Major Spaltenholz
*
Den Sylvesterabend verbrachte ich mit Christa, Zemke und dieter B. und deren Ehefrauen gemeinsam im „ Otto Markeschka Club“, ein Tanzcafé in Berlin Karow.
Zemke und B. hatten sich vorher abgestimmt und Zemke machte mir gegenüber die Bemerkung ; dass er vermute von der Staatssicherheit beschattet zu werden.
Mit dieser Erklärung erhofften sie, dass ich Angst bekäme und sie mich los werden können. So steht es im Protokoll!
Ich erklärte, es wäre bekannt, dass alle Angehörige einer westlichen Botschaft beschattet werden!
HEUTE FRAGE ICH MICH:
Warum haben sie nicht einfach gesagt, ich solle aus den obgenannten Gründen nicht mehr kommen ??
Auf Grund dieser Umstände kamen sie überrein, dies am 30.12.74 den Genossen Oberleutnant Hempe in der HO Gaststätte „ Sportkasino“ Zepernick mitzuteilen, was dann auch erfolgte. Dort wurde auch ein zweites Treffen mit Hempe in der HO Gaststätte „Edelweiss“ in Zepernick um 14.00 am 31.12.74 vereinbart, das aber nicht stattfand, weil Hempe bereits einen Termin für den 2.1.75 festgelegt hatte.
Folglich verbrachten sie den Sylvesterabend mit uns, wohlwissend und gezielt mit der Absicht, uns hinter Gitter zu bringen und dafür eine grosse Belohnung zu kassieren.
*
Am 2.1.75 erschienen die beiden auf der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Frankfurt an der Oder / Kreisd
Bericht ist auch interessant. Teilweise zu viele Details, zu langathmisch, Erlebtes und Auszüge aus Stasiakte durcheinander. Dadurch schwer zu lesen. Aber es soll wohl nur als Quelle für ein Buch sein.
Meine Osterlebnisse sind noch nicht öffentlich. Vielleicht sollte ich mich daran beteiligen.
Ist das schön, von Ihnen zu lesen. Wir lernten Sie Oktober 2006 in Stein am Rhein beim Einkauf der leckeren Schweizer Schokolade kennen. Wie der Zufall es wollte, erkannten wir schnell unsere Gemeinsamkeit Zepernick, Cafe Nord, Klinikum Buch u.a. Erinnern Sie sich? Ihre Geschichte habe ich mit Begeisterung gelesen und bin tief beeindruckt. Ich ging 1974 in Zepernick wohlbehütet zu Schule und bekam von den Ereignissen noch nicht viel mit. Heute kann ich vieles nachvollziehen, kenne einige der genannten Personen. Übrings gab es der Tage den tollen Film in Anlehnung zu Ihrer Geschichte. „Einmal Kuhdamm und zurück“ Ich wünsche sehr, dass Ihre und die Erlebnisse von Christa bald mehr Menschen zu erfahren bekommen. Sie sind unserer Hochachtung gewiss.
Beste Grüße A.H.-Zillmann